Prof.Dr. I. De Florio
Universität Kassel
 
E-Learning-Modul "Bilinguales Lernen"

 

E-Learning-Modul „Bilinguales Lernen“

Einladung zur Teilnahme an einem computergestützten Lehrangebot

1. Einleitung: Bilingualer Unterricht
Der bilinguale Sachfachunterricht bzw. der so genannte Arbeitssprachenunterricht, bei dem ausgewählte Inhalte mit Hilfe einer Fremdsprache erarbeitet werden, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass zusätzliche Angebote zum Lernen und Praktizieren einer Fremdsprache keine Erweiterung der Stundentafel beinhalten dürfen, also im Rahmen der im wesentlichen vorgegebenen Wochenstundenzahlen stattfinden müssen. Zum anderen sind die guten Erfolge des Arbeitssprachenunterrichts dafür verantwortlich, dass bilinguales Lernen „boomt“. Immer mehr Lehrkräfte würden an ihrer Schule gern ein entsprechendes Angebot machen, zumal Formen des Arbeitssprachenunterrichts nicht länger auf die an ausgewählten Gymnasien angesiedelten bilingualen Züge beschränkt sind. Die meisten Fächer - also nicht nur Geschichte, Geographie und Sozialkunde - gelten als geeignet, und auch hinsichtlich der Auswahl der Sprachen ist eine deutliche Erweiterung erfolgt.

2. Ziele und Inhalte des Moduls „Bilinguales Lernen“
Obgleich es sich um ein E-Learning-Angebot der Romanistik (ELROM) handelt, ist das Modul sprach- und sachfachübergreifend angelegt, fokussiert aber vornehmlich auf bilingualen Unterricht in französischer Sprache. Die gesamten Lehrinhalte, also nicht nur Zusatzinformationen und Übungsmöglichkeiten, sind über das Internet zugänglich. Das Modul umfasst neun Lerneinheiten mit Pflichtlektüre – zur Erleichterung der Arbeit verteilen bzw. verschicken wir einen entsprechenden Reader – sowie weitgehend praxisbezogenen Arbeitsaufgaben.

In diesem E-Learning-Modul suchen wir gemeinsam nach Antworten auf folgende Fragen:


Die Lerneinheiten 1 und 2 dienen der Einführung: In der Einheit 1 beschäftigen wir uns mit Definitionen bilingualen Lernens, seiner Bedeutung sowie seiner Akzeptanz, während wir in der folgenden Lerneinheit 2 die wichtigsten Varianten bilingualer Unterrichtsangebote kennen lernen.
Die Lerneinheiten 3 bis 7 fokussieren auf grundlegende Fragen einer Didaktik und Methodik bilingualen Unterrichts. In Lerneinheit 3 geht es um die Verbindung zwischen inhaltlichem und sprachlichem Lernen, insbesondere im so genannten bilingualen Sachfachunterricht. In Lerneinheit 4 erfolgt eine Gegenüberstellung von bilingualen Unterrichtsangeboten und dem herkömmlichen Fremdsprachenunterricht. Die 5. Lerneinheit geht auf die Problematik unterschiedlicher Fächer und Sprachen ein, während in der 6. Lerneinheit konkrete Hinweise auf Lehrpläne, Handreichungen und Unterrichtsmaterialien sowie sonstige Hilfsangebote erfolgen, die es kritisch zu sichten gilt. In Lerneinheit 7 behandeln wir die für jeden bilingualen Unterricht wichtige Wortschatzarbeit.
In den Lerneinheiten 8 und 9 fassen wir wichtige Problemfelder des bilingualen Unterrichtens zusammen. In der 8. Lerneinheit beschäftigen wir uns mit Fragen der Evaluation, während in der 9. Lerneinheit verschiedene Formen des Lehrens und Lernens von Fremdsprachen in ein notwendiges Gesamtsprachenkonzept eingeordnet werden.

Generell ist es möglich, einzelne Blöcke (Lerneinheit 1-2, 3-7, 8-9) bzw. einzelne Lerneinheiten in beliebiger Folge zu bearbeiten.
 


3. Eine ausgewählte Lerneinheit
Lerneinheit 7: Wortschatzarbeit im bilingualen Unterricht

Basistext:
Die Hauptaufgabe „bilingualen“ Lehrens und Lernens besteht in der Ausbildung angemessener Fachbegriffe und dem Aufbau von Diskurspraktiken, die der jeweiligen Fachkultur entsprechen. Dabei ist zu bedenken, dass der kognitiv-akademische Spracherwerb sowohl in der Fremdsprache als auch in der Muttersprache der Lernenden zu fördern ist.

Für den Erwerb der Fachterminologie im bilingualen Unterricht gelten dieselben Grundannahme, die für jegliche fremdsprachliche Wortschatzarbeit bestimmend sind. Für den individuellen Wortbesitz eines Menschen wird häufig die Metapher vom mentalen Lexikon verwendet, die ältere Vorstellungen von der Speicherung sprachlicher Wissensbestände ersetzt hat. Bekanntlich gilt das mentale Lexikon als der Teil des Langzeitgedächtnisses, in dem lexikalische und konzeptuelle Einheiten abgespeichert sind. Die Repräsentation erfolgt auf vielfältige Art und Weise: u. a. alphabetisch, nach Klangmustern, nach Wortformen, nach Wortarten, nach Bedeutungen und nicht zuletzt nach individuellen Gesichtspunkten. Gespeichert sind auch Verfahren, wie auf die einzelnen Bestände zugegriffen wird bzw. zugegriffen werden kann.

Forschungen zum mentalen Lexikon haben weitgehend bestätigt, was erfahrene Fremdsprachenlehrkräfte im Rahmen der Unterrichtsarbeit feststellen konnten. Vokabeln werden besser aufgenommen und behalten,


Wie also kann die Wortschatzarbeit im bilingualen Unterricht aussehen? Auf der Grundlage authentischer Informationen – hierzu ist auch die Darbietung bzw. das Experiment zu rechnen – werden Begriffe identifiziert und durch geeignete verbale und nonverbale Verfahren erläutert. Unter den Techniken zur Erklärung von Fachtermini kommt der Definition eine herausragende Bedeutung zu. In vielen Fällen ist sie das Ziel der „bilingualen“ Wortschatzarbeit. Das bedeutet freilich nicht, dass sie am Anfang einer Semantisierungsphase stehen sollte. Zunächst bieten sich – je nach Fachbegriff – andere Erklärungsverfahren an, wie die Nennung eines (alltagssprachlichen) Synonyms, eine Umschreibung und/oder die Über- bzw. die Unterordnung. Durch die Nennung wesentlicher Merkmale kann man sich dann der Definition annähern, die am Ende schriftlich festgehalten und mit dem muttersprachlichen Äquivalent verbunden werden sollte.
An der Erklärung der Vokabeln und der Erarbeitung geeigneter Definitionen sind die Schüler/innen von Anfang an zu beteiligen. Lernprozesse sind insbesondere in Bezug auf die Integration der „neuen“ Wörter und Ausdrücke in den individuellen Sprachbesitz anzuregen: u. a. durch die Aufnahme der erarbeiteten Termini in besondere Hefte/ Ringbücher oder Karteien, durch mind maps, durch Protokolle sowie Poster-Präsentationen, die von den Schüler/innen als Nachbereitung angefertigt bzw. ausgestaltet werden können. Dabei ist der für jegliches Lernen geltende Grundsatz zu berücksichtigen: Wissens-Konstruktionen erfolgen höchst individuell auf der Grundlage des gesamten Vorwissens, des Lernstils und motivationaler Faktoren. Das lernende Individuum knüpft auf höchst persönliche und von außen nur sehr begrenzt zu steuernde Art und Weise an seine vorhandenen Wissensbestände an, die umstrukturiert und ergänzt werden (können). Solche Lernprozesse erfolgen in den meisten Fällen unbewusst, können aber durch entsprechende Reflexion bewusst gemacht werden. Die Ausbildung einer besonderen Sprachlernbewusstheit, die sich auf die mit den jeweiligen Fachkulturen verbundenen Begriffe und Diskurse bezieht, ist durch geeignete Aktivitäten, insbesondere Unterrichtsgespräche, zu fördern.

Arbeitsaufgaben:

Bevor Sie mit der Bearbeitung der Aufgaben beginnen, lesen Sie, bitte:

Hallet 2002, Helbig 1998 und 1999

(Hallet, W. (2002): Auf dem Weg zu einer bilingualen Sachfachdidaktik. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 49.2, 115-126.
Helbig, B. (1998): Lern- und Arbeitstechniken im bilingualen Sachfachunterricht aufgezeigt am Beispiel von Texterschließungstechniken. In: Der fremdsprachliche Unterricht Französisch H. 34, 44-48.
Dies. (1999): Textarbeit im bilingualen deutsch-französischen Geschichtsunterricht: eine deskriptiv-interpretative Studie. In: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 10.2, 304-307.)

1. Sichten Sie eines der in der Lernwerkstatt vorhandenen Videos (entweder das „Analysevideo Bilingualer Unterricht“ der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen oder das vom Verlag Pestalozzianum in Zürich veröffentlichte Video „Bilingualer Sachfachunterricht Französisch-Deutsch“): Wie erfolgt das sprachliche Lernen? Wie wird Wortschatzarbeit gestaltet? Wie werden Fachbegriffe erarbeitet? Nehmen Sie Stellung zu ausgewählten Aspekten (ca. 1 Seite) (nur für Studierende).
2. Wählen Sie aus Texten oder einem anderen Input 2-3 wichtige Fachbegriffe Ihres Sachfachs aus und machen Sie Vorschläge für die Erarbeitung im Unterricht (in Stichworten in der Zielsprache).

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Publikationen


De Florio-Hansen, I. (2001) : Bilinguales Lernen - nur für Eliten? 2001 - Europäisches Jahr der Sprachen. In: SchulVerwaltung HE 7/8, 159-160.

De Florio-Hansen, Inez (2002). Autonomie und Authentizität im Arbeitsprachenunterricht. Bilinguales Lernen vs. Fremdsprachenunterricht? In: Legutke, Michael/Schocker-von Ditfurth, Marita (Hrsg.). Kommunikativer Fremdsprachenunterricht: Rückblick nach vorn. Festschrift für Christoph Edelhoff. Tübingen: Narr, 99-119.

De Florio-Hansen, Inez (2003). Inhaltsbasiertes Fremdsprachenlernen: Bilingualer Unterricht auf dem Prüfstand. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 50.1, 11-19.

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