Spricht man mit Lehrkräften über Digitalisierung im Fremdsprachenunterricht, hört man häufig die Frage: „Worin besteht eigentlich der Mehrwert, wenn ich diese oder jene Lernaktivität durch digitale Medien anreichere?“ Die Frage müsste vielmehr lauten: „Wie können Lehrkräfte im Englischunterricht das Lernen mit und über digitale Medien so gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler mit mehr Interesse und besseren Ergebnissen lernen?

Dazu eine kleine Geschichte:

Johannes, ein Jugendlicher von 16 Jahren, lernt einen Zeitreisenden kennen. Henry, ein junger Schotte, hat einen Zeitsprung von über 100 Jahren in die deutsche Gegenwart gemacht. Wie das geschehen ist und wie Johannes damit umgeht, können wir jetzt nicht vertiefen. Demnächst gibt es mehr dazu auf meiner Website.

Durch Johannes lernt Henry nach und nach die für ihn vollständig neuen elektronischen Medien kennen. Nachdem er die wesentlichen Auswirkungen der Telekommunikation und der Digitalisierung verstanden hat, zeigt er sich tief beeindruckt. Wann hatte man je eine solche Fülle von Wissen zur Verfügung? Wann gab es die Möglichkeit, sich weltweit mit anderen Menschen so zeitnah in Verbindung zu setzen?

Den Haupteinwand von Johannes, dass die sozialen Medien große Gefahren bergen, lässt Henry letztlich nicht gelten.

Es verwundert ihn, dass die User nichts für die schönen neuen Möglichkeiten zahlen, sondern dass sich die entsprechenden Unternehmen durch Weitergabe der Kundendaten aus Werbeeinnahmen finanzieren. Sein Vorschlag verblüfft Johannes: Warum macht man die sozialen Medien und andere Internet-Angebote nicht kostenpflichtig?

Henry ist eher geneigt, das Suchtpotential der digital tools anzuerkennen. Er ist immer noch befremdet, wenn er Kinder, Jugendliche und Erwachsene sieht, die überall und immer auf ihr Smartphone starren und alle 3 Minuten ihre Mails checken. Aber auch hier hat Henry einen Vorschlag: Je mehr in Schule und Unterricht über die elektronischen Technologien gelernt wird, umso eher können Kinder und Jugendliche eine kritische Haltung gegenüber der Digitalisierung ausbilden.

Mit anderen Worten: Keine Lehrkraft, gleichgültig ob sie der Digitalisierung eher positiv oder ablehnend gegenübersteht, kann digitale Medien aus ihrem Unterricht ausblenden, im Gegenteil. Gerade diejenigen, die Bedenken haben, dürfen nicht auf die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Lernenden verzichten. Henry ist daher der Ansicht, es müsse auf alle Fälle  auch im Englischunterricht geeignete Lernaktivitäten geben, die die Gefahren thematisieren, ohne die Schülerinnen und Schüler in einer unpassenden Haltung zu bestärken.

In meiner Einführung in die Englisch-Didaktik Teaching and Learning in the Digital Age habe ich mich bemüht, die oben angesprochenen Punkte und natürlich zahlreiche andere weitgehend zu berücksichtigen.

Kommentare powered by CComment